Vor kurzem hatte ich ein Gespräch, das exemplarisch zeigt, warum Aufklärungsarbeit rund um Bitcoin nicht nur ein finanzielles oder technisches Thema ist, sondern vor allem ein menschliches.
Alles begann angenehm: Ich sprach mit einem jungen Mann über Bitcoin. Er war neugierig, kannte sich ein wenig aus, stellte gute Fragen. Es war ein lebendiger Austausch, wie man ihn sich wünscht.
Dann kam sein Vater dazu. Kaum hörte er das Wort „Bitcoin“, fragte er direkt: „Suchen Sie Investoren?“ und damit war das Gespräch sofort in einer anderen Spur. Genau an dieser Stelle versuchte ich zu erklären, warum das die falsche Fragestellung ist: Bitcoin ist keine Investmentmasche, sondern eine Antwort auf die Entwertung von Geld. Doch er ließ sich darauf nicht ein.
Stattdessen wechselte er das Thema und sprach von Krieg – Ukraine, Polen, Dänemark. Ich nahm den Faden auf und erklärte, dass genau darin das Problem des Fiat-Geldes liegt: In Krisen verliert es seinen Wert, wie schon im Zweiten Weltkrieg, als ein Brot plötzlich Millionen Mark kostete. Bitcoin dagegen bietet Stabilität, weil es nicht beliebig entwertet werden kann. Doch auch das wollte er nicht hören.
Dann kippte das Gespräch vollständig. Er übernahm das Wort und erzählte minutenlang die Geschichte eines Mannes, der drogenabhängig war, in die Reha ging und schließlich durch Jesus Christus den „Schlüssel“ zur Befreiung fand. Diese Erzählung dehnte sich auf fast eine Viertelstunde. Ich hörte zu, stellte Fragen, wollte verstehen. Nur: Über Bitcoin hatten wir insgesamt vielleicht drei Minuten gesprochen – und er hörte mir kein einziges Mal zu.
Als ich das Gespräch zum Schluss noch einmal zurücklenken wollte und ihn fragte, welche zwei oder drei Dinge ihm konkret zu Bitcoin einfallen, bekam ich nur eine knappe Antwort: „Bitcoin wird zusammenbrechen.“ Damit war das Thema für ihn beendet. Statt weiterzudiskutieren, verabschiedete er sich – mit den Worten, er werde für mich beten, damit ich meinen „richtigen Weg“ finde.
Muster, die sichtbar werden
- Schubladendenken: Bitcoin = Investoren, Spekulation.
- Abwehr: Anstatt sich mit den Fakten auseinanderzusetzen, wird das Gespräch in andere Themen verschoben – Krieg, Religion, Untergang
- Heilsbilder & Apokalypsen: Zwischen Jesus Christus als „Schlüssel“ und dem Bild eines Systemkollapses schwankt die Erzählung.
- Projektion: Wer anderen Mission unterstellt, missioniert am Ende selbst.
- Generationsunterschied: Der Sohn hörte zu, stellte Fragen, war offen. Der Vater blockte und predigte.
Was bleibt?
Am Anfang unterstellte er mir, ich sei auf Mission. Am Ende war er es selbst, der mich mit einem Gebet verabschiedete. Genau darin liegt die Ironie: Bitcoin-Gespräche offenbaren weniger Wissen als Weltbilder. Und vielleicht ist das die eigentliche Schnittstelle zwischen Religion und Bitcoin: Beide versprechen einen Ausstieg aus der Abhängigkeit, beide eröffnen eine neue Richtung. Die entscheidende Frage bleibt: Welchen Weg wählt man?